Das thermische Dilemma des E50-Automatikmotors
Der legendäre Puch E50 Ein-Gang-Motor ist dank seiner Einfachheit und Robustheit der Liebling vieler Mofarenn-Teams. Doch er hat eine Achillesferse: die Fliehkraftkupplung im Ölbad.
In engen Spitzkehren, bei Steigungen oder in tiefen Schlammlöchern fällt die Geschwindigkeit ab, während der Motor auf Vollgas gehalten werden muss. Die Kupplungsbacken schleifen permanent gegen die Glocke. Binnen Minuten kocht das Getriebeöl auf über 180 °C, die organischen Beläge verglasen und greifen nicht mehr.
1. Einkuppeldrehzahl optimal abstimmen
Eine Serienkupplung greift bereits bei 2.500 bis 3.000 U/min. Ein getunter Rennzylinder liefert bei diesen Drehzahlen kaum Drehmoment – der Motor verhungert.
- Rennfedern verbauen: Blaue Polini-Federn oder gelbe DMP-Rennfedern erhöhen die Federvorspannung.
- Ziel-Einkuppeldrehzahl: Die Beläge dürfen erst bei 6.500 bis 7.200 U/min voll anpacken, exakt dort, wo der Auspuff in die Resonanz geht.
- Durch den schlagartigen Kraftschluss wird die Schleifphase minimiert und die Wärmeentwicklung drastisch reduziert.
2. Versteifungsdreieck gegen Verbiegen der Zapfen
Unter der Einwirkung starker Rennfedern und hoher Fliehkräfte neigen die drei Führungszapfen der originalen Kupplungsträgerplatte dazu, nach außen nachzugeben.
- Montiere eine CNC-gefräste Kupplungs-Versteifungsplatte (Kupplungsdreieck), die alle drei Zapfenköpfe formschlüssig miteinander verbindet.
- Verwende Innensechskantschrauben der Güteklasse 10.9 oder 12.9 mit mittelfester Schraubensicherung.
3. Backen erleichtern & Belagkanten anfasen
- Gewichtsreduktion: Durch gezieltes Ausbohren der Backen auf der Innenseite (nicht an der Belagfläche!) wird die träge Masse verringert. Die Kupplung trennt schneller und schließt präziser.
- Anlaufkanten brechen: Feile an den Vorderkanten der Beläge eine 45°-Fase ein. Das verhindert das "Einhaken" der Beläge und garantiert ein sanftes, progressives Greifen.
4. Getriebeöl-Management: ATF Dexron II D
Verwende im Puch E50 niemals dickflüssiges Standard-Getriebeöl SAE 80W-90! Das zähe Öl bremst die Fliehgewichte ab und schäumt bei hohen Drehzahlen auf.
- Empfehlung: ATF Typ A Suffix A oder ATF Dexron II D (Automatikgetriebeöl).
- Füllmenge: Exakt 160 bis 180 ml einfüllen (bis zur Kontrollschraube).
- Entlüftungsschraube modifizieren: Ersetze die originale Kunststoff-Entlüftungsschraube durch eine Hohlschraube mit Schlauchführung nach oben. Dadurch kann bei siedendem Öl kein Druck im Gehäuse entstehen, der die Kurbelwellensimmerringe herausdrückt.